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Geothermische Energie in Neuseeland

In unserer letzten Umfrage nach Inhalten und Themen für den Blog hattet Ihr Euch dieses spannende Thema gewünscht – „here we go….“

Neuseeland gilt als weltweiter Vorreiter für die Nutzung von regenerativen Energien. Neben der Erzeugung von elektrischem Strom aus Wasserkraft, Biomasse, Windenergie und Solarenergie wird seit fast 50 Jahren die Geothermie genutzt. Die Energieproduktion aus Geothermie, auch Erdwärme genannt, ist die zweitgrößte erneuerbare Energiequelle und ausschließlich auf die Nordinsel begrenzt. Aktive Vulkane, Geysire und großflächige Geothermalgebiete prägen hier das landschaftliche Bild.

Aufgrund eines gesteigerten Elektrizitätsbedarfes in den 1970er Jahren erweiterte man zunächst die Gewinnung von Wasserkraft auf der Südinsel. Heute deckt der Inselstaat mit dem grünen und sauberen Image rund 75% des nationalen Energiebedarfs durch erneuerbare Energien ab. Energie aus Wasserkraft wird besonders auf der Südinsel erzeugt. Das Manapouri-Kraftwerk in der Wildnis Fjordlands im Süden der Südinsel ist das größte Kavernen-Kraftwerk Neuseelands.

Geothermische Energie ist unterhalb der Erdoberfläche gespeichert, teilweise noch aus der Zeit der Erdentstehung. In geothermischen Gebieten herrschen im oberen Erdmantel Temperaturen von 1300°C, die pro 100 Meter Erdtiefe um 3°C zunehmen. Weltweit wird in Gebieten mit einem höheren Temperaturgradienten die natürliche Erdwärme genutzt, wie beispielsweise in Island, Indonesien oder Italien.

Doch die Wissenschaftler in Neuseeland entwickelten  viele Techniken bei dieser Art der umweltfreundlichen Energiegewinnung zuerst.  Die Nutzung der im zugänglichen Teil der Erdkruste gespeicherten Wärme war naheliegend und rentabel. Zudem entstehen bei der Gewinnung von Erdwärme kaum andere Emissionen und die natürliche Umgebung und das Landschaftsbild werden nur geringfügig beeinträchtigt. Die „Huntly Power Station“ in Waikato im Norden Neuseelands ist heute das größte thermale Elektrizitätswerk des Landes und generiert pro Tag etwa 1435 Megawatt Strom. Damit deckt es 17% des Energiebedarfes von Neuseeland ab. Der gesamte Stromverbrauch der fast 4 Millionen Einwohner liegt bei etwa 37 Terawatt-Stunden pro Jahr.

An manchen Orten kann die natürlich vorkommende Erdwärme sogar direkt von den Bewohnern genutzt werden, zum Beispiel zum Heizen der Häuser durch eine so genannte Wärmepumpenheizung. Auch das traditionelle Maori Essen, das Hangi, bei dem Fleisch und Gemüse in natürlich beheizten Erdlöchern gegart wird, profitiert direkt von der Erdwärme.

Die natürlichen heißen Quellen der Geothermalgebiete sind jedoch nicht nur für die Nutzung der Erdwärme als Energiequelle interessant. Die Gebiete um Rotorua, Taupo, Wai-O-Tapu und Coromandel bringen ein beeindruckendes Naturspektakel hervor und laden zu besonderen Erholungs- und Gesundheitsbädern ein.

Auf mehreren unserer Reisen fahren wir durch diese beeindruckenden Gegenden und können verschiedene Formen geothermaler Energie selbst erleben. So wandern wir auf unserer Neuseeländische Kontraste Reise nicht nur in der faszinierenden Vulkanlandschaft des Tongariro National Parkes, sondern auch durch das geothermale Waimangu Valley, wo es in üppig grüner Vegetation an vielen Stellen brodelt, zischt und kocht. Auf der Naturwunder Reise verbringen wir Zeit bei mehreren Vulkanen und erkunden dann Thermalgebiete in und um Rotorua  mit Geysiren, heißen Seen, farbenprächtigen Sinterterrassen und kochendem Schlamm. Und auf der Wanderreise genießen wir nach einer Wanderung durch ein Thermalgebiet bei Rotorua zwei abwechslungsreiche Wandertage bei den Vulkanen.

Doch auch in Neuseeland steigt wie in vielen Teilen der Welt der Energiebedarf mit der Zunahme der Bevölkerung weiter an. Baupläne für Atomkraftwerke konnten bereits in den 1970er Jahren verworfen werden, nachdem große Gasfelder und Kohlevorkommen entdeckt worden waren. 1987 wurde  das Vorzeigeland in einem Gesetz sogar offiziell zur „nuklear-freien Zone“ erklärt was bis heute seine Gültigkeit hat. Da die Erdgasvorkommen jedoch begrenzt sind und die Energiegewinnung aus der Wasserkraft bereits ziemlich ausgereizt ist, liegt die Hoffnung auf einem möglichen Ausbau der Kapazitäten der Geothermie. Tiefer gelegene Erdwärme- Felder sollen neu erschlossen werden und somit die Energiegewinnung gesteigert werden. In der Nähe von Taupo im geothermischen Feld von Wairakei-Tauhara ist ein weiteres geothermisches Kraftwerk geplant. Die Anlage soll so ausgelegt werden, dass die Auswirkungen auf Umwelt und Umgebung möglichst gering gehalten werden. Der Ausbau der geothermischen Stromerzeugung Neuseelands soll sich bereits bis zum Jahr 2015 verdoppeln.

credit GNS Science Margaret Low

credit GNS Science Margaret Low

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