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Die Geschichte des ungewöhnlichsten Kaka Neuseelands

Über Kakas im Allgemeinen berichteten wir ja erst kürzlich in einem Post. Hier aber kommt speziell für unsere treuen Leser die versprochene Geschichte des einzigartigen Papageien von Great Barrier Island. Die Insel liegt etwa 50 Kilometer vor der Küste Aucklands im Hauraki Gulf und ist wahrlich ein unberührtes Paradies. Es gibt kein öffentliches Stromnetz, dafür ein Neuseeland, wie man es auf dem Festland vor etwa 20 Jahren vorfand.

Nachdem es auf Great Barrier Island (nicht zu verwechseln mit dem Great Barrier Reef in Australien!) keine Possums oder Ratten gibt, konnten sich hier die einzigartigen heimischen Buschpapageien, die Kakas, ungestört vermehren. Überall krächzt und knackt es in den Ästen und Büschen der unzähligen Obstbäume. Hoch oben flattern sie lautstark durch die Lüfte, zeigen stolz die Unterseiten ihrer knallroten Flügelfedern.

Es geschah 1990 als John und Mary Williams von ihrem Nachbarn ein Kaka Küken bekamen. Es war aus dem Nest gefallen, unreif und hatte unzählige Milben. In der freien Natur hätte das Jungtier niemals überlebt. Das Paar versuchte alles, um dem Kaka-Baby zu helfen, doch ohne Erfolg. Schließlich kam ihnen die groteske Idee, Essen zu zerkauen und den kleinen Vogel direkt aus dem Mund die vorgekaute Nahrung zu füttern. Dieser eher ungewöhnliche Vorgang half und nachdem die Milben ausgemerzt waren, machte der kleine Kaka große Fortschritte. Sie nannten das Tier Jimmy.

John und Mary hatten große Sorge als der kleine Papagei mobiler wurde und auf dem Boden seine Welt erkundete. Hauskatzen und Hunde konnten das Vogeljunge angreifen, da es noch nicht fliegen konnte. Schnell lernte Jimmy geschickt auf Bäume zu klettern und am Abend schüttelten die Zieheltern das Tier vom Baum, brachten es behutsam zu seinem Schlafplatz hinter der Couch im Wohnzimmer.

Nach etwa drei Monaten lernte Jimmy schließlich fliegen. Ein großartiger und trauriger Augenblick zugleich, als der geliebte Kaka über den Bäumen des nächsten Hügels den Blicken der traurigen Familie entschwand. Doch schon am Abend klopfte es am Fenster, Jimmy hämmerte mit dem Schnabel gegen die Scheibe, war wie selbstverständlich zurück gekehrt, um seinen gewohnten Schlafplatz einzunehmen. So ging es jeden Abend und als der Papagei nach ausgedehnten Regengüssen klitschnass nach Hause kam, setzte er sich auf den Holzstapel neben dem Kamin des Ofens und trocknete sich selbst. Mary sagte oft zu ihm „You are a wicked wicked Walla!“, was soviel bedeutet wie „Du bist wirklich ein verrücktes kleines Kerlchen“. Jimmy lernte zu sprechen und antwortete immer „I’m a wicked wicked Walla.“ So wurde aus Jimmy, Walla.

Der clevere Papagei konnte jede Menge Tricks. Er brachte sich selbst bei, wie man den Drehverschluss von Flaschen aufschraubt, spielte mit den beiden Enkelinnen Roslin und Anwyn Karten, ließ sich am Schnabel aufheben und herumtragen wie einen Einkaufskorb. Sein liebstes Spiel war jedoch, mit den beiden vier und sechs Jahre alten Mädchen zu baden. Er spazierte auf dem Wannenrand herum, steckte den Kopf unter Wasser und blies mit den Kindern Seifenblasen.

Manchmal lag er auf dem Rücken auf dem Sofa und balancierte geschickt einen Hauspantoffel auf seinen Beinen. Er mimte alles nach, was er hörte, versetzte so manchen Nachbarn und Besucher in Angst und Schrecken wenn es aus dem Haus rief „Hilfe, Hilfe, Mary, Hilfe!“. Er konnte die heimischen Eulen nachahmen und lockte damit wilde Eulen an. Eines Tages brachte er sogar einem wilden Kaka bei, „Walla“ zu sagen.

Walla besuchte die Zwillingskinder, die auf dem nahegelegenen Hügel lebten, stellte allerhand Dinge an, klopfte ans Fenster, aß ihre Malkreide, spazierte zwischen dem Geschirr und suchte nach Teeblättern in den Tassen und nach Tabak. Wenn die Familie ihn schließlich aus dem Haus warf, saß er im Baum und rief „Help, Mary, help!“ Eines Tages verletzte sich sein Ziehvater John den Rücken schwer, musste für mehrere Wochen im Bett liegen. Walla wachte auf seiner Brust, ließ ihn nicht aus den Augen. Und wenn er wegflog, kam er mit Fliegen, Motten oder Würmern zurück, um sie seinem kranken John zu füttern. Später begann er sogar, Mary und John auf Partys zu suchen. Er machte sie aus der Luft ausfindig und platzte in die Runde, klaute den Herren Tabak aus den Oberhemdtaschen, rollte den Tabak und klemmte die Bällchen unter die Flügel. Tabak gilt als natürliches Insektizid. Er marschierte die Klaviertasten hinauf und hinunter, war das Highlight eines jeden Festes.

Eines Tages flog Walla davon und kehrte nicht wieder zurück. Monate später berichteten Kinder des Ortes, sie hätten Walla im Park gesehen, er habe mit ihnen gespielt und sei dann wieder davon geflogen. Die Bewohner von Great Barrier Island glauben, dass Walla einen Partner gefunden hatte und deshalb sein eigenes Leben anfing. Für Mary und John ist die Geschichte von ihrem geliebten Kaka-Papageien Nostalgie. Noch immer ist Wallas leerer Schlafplatz hinter dem Sofa Teil ihres Wohnzimmers.

Kaka Jimmy Walla GBI

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